fbpx
Image

ME-Saar-Präsident Bubel fordert Zurückhaltung von IG Metall

26.12.19. ME-Saar

ME-Saar-Präsident Bubel fordert von der IG Metall Zurückhaltung in der kommenden ME-Tarifrunde und kündigt „weniger Nachgiebigkeit“ der Arbeitgeber an. Auf welche Probe die Nachgiebigkeit gestellt wird, hängt aus Bubels Sicht von der Forderung der IG Metall ab. Die Lage der Unternehmen sei eine ganz andere als vor zwei Jahren, betonte Bubel. Der Konjunkturaufschwung sei vorbei: „Wir befinden uns in der Rezession, und wir erwarten, dass die Produktion in der Metall- und Elektroindustrie zum Jahresende um drei Prozent zurückgegangen sein wird.“ In den ersten drei Quartalen habe sich das Produktions-Minus im Saarland auf 4,8 Prozent belaufen. Für das kommende Jahr sieht Bubel kein Wachstum, bestenfalls Stabilität. Und „wenn es zu einem weiteren Rückgang kommt, sind wir nicht überrascht“. Bubel appelliert an die Gewerkschaft, sich ihrer Verantwortung für „die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen“ bewusst zu sein. „Übertriebene Forderungen, die wir in den vergangenen Jahren leider öfter hatten, beschädigen die Wettbewerbsfähigkeit“, warnt Bubel. Nach seiner Auffassung drohen bei einem hohen Tarifabschluss Arbeitsplatzverluste. Zur Begründung verweist er darauf, dass die Löhne viel stärker zugelegt hätten als die Produktivität, also mehr, als eigentlich mit Blick auf die Ar-beitsplätze gerechtfertigt gewesen wäre. Die Produktivität in der deutschen M+E-Industrie habe zwi-schen 2000 und 2018 um gut ein Drittel (34,1 Prozent) zugelegt, die Tariferhöhungen summierten sich in dieser Zeit auf 61,4 Prozent. Neben Lohnzurückhaltung fordert Bubel von der Gewerkschaft mehr Fairness. Die Art und Weise der Verhandlungen von Anfang 2018 hat offenbar zu großer Verärgerung unter den Arbeitgebern geführt und Vertrauen erschüttert. Eigentlich habe man im vorigen Jahr die Ei-nigung schon viel früher gehabt, sagt Bubel. Die habe IG-Metall-Chef Hofmann dann aber vom Tisch gewischt. Aus Sicht des ME-Saar-Präsidenten nur aus einem Grund: „Die Gewerkschaft wollte ihr neu-es Arbeitskampf-Mittel, die 24-Stunden-Streiks, austesten und hat das auch gemacht.“ Mit aus Sicht der Arbeitgeber verheerenden Folgen.

Durch klassische Warnstreiks fielen 1,13 Millionen Arbeitsstunden aus, durch die Tagesstreiks nach Zahlen von ME Saar 1,85 Millionen Arbeitsstunden – mit entsprechenden Folgekosten für die Unter-nehmen. Am Ende sei der vor den 24-Stundenstreiks schon ausgehandelte Abschluss nahezu unver-ändert unterzeichnet worden, erzählt Bubel. „Für mich war das ein Missbrauch“, kritisiert er scharf das damalige Verhalten der IG-Metall-Spitze. Erschüttertes Vertrauen und schwächelnde Konjunktur sind längst nicht die einzigen Punkte, die bei den Arbeitgebern die Bereitschaft mindert, auf Forderungen der IG Metall einzugehen. Die Branche sieht sich unter hohem Druck durch den Strukturwandel. „Die Digita-lisierung verändert die Metall- und Elektroindustrie von Grund auf“, ist Bubel überzeugt. Dafür „sind enorme Investitionen erforderlich“. Das nötige Geld müsse aber erst einmal erwirtschaftet werden. Dar-über hinaus kommen gerade im Saarland die Belastungen durch den Wandel in der Auto- und Autozu-lieferindustrie hinzu – als Folge der „Verteufelung des Diesel“ und der „Heiligsprechung der Elektromo-bilität“, so Bubel. Er hält diese von der Politik getriebene Entwicklung für „ein fahrlässiges Spiel mit un-serem Standort“. Damit meine er nicht nur das Saarland, dessen Industrie stark auf die Produktion von Teilen für Autos mit Verbrennungsmotor ausgerichtet ist. Vielmehr gehe es um den ganzen Industrie-standort Deutschland, wo jeder siebte Arbeitsplatz an der Automobilindustrie hängt.

Der Artikel erschien am 26. Dezember online bei der Saarbrücker Zeitung.

© 2020 WEITERDENKER.ME - DIE ARBEITGEBER DER METALL- UND ELEKTRO-INDUSTRIE