Standort Deutschland stärken und sichern

05.09.2019

Wir stehen vor drei großen Herausforderungen, die wir gleichzeitig bewältigen müssen:

Den Strukturwandel, der nicht nur durch die Digitalisierung oder die Antriebstechnik getrieben wird, sondern auch davon, dass wir unserem Kunden längst nicht mehr nur ein Produkt verkaufen können – sondern dass wir sein Problem lösen müssen.

Zweitens haben wir in Deutschland zehn gute Jahre hinter uns. Die Gefahr besteht, dass uns das ein wenig träge gemacht hat. Unsere Wettbewerber haben aufgeholt und lassen nicht nach.

Und drittens sind die politischen Risiken weit über das Maß hinaus gestiegen, mit dem wir als Unternehmer immer zurechtkommen müssen: Ein Tweet kann schnell in einen Handelskrieg münden, unter dem wir mehr leiden würden, als wir glauben wollen.

Wir werden all das bewältigen können. Dafür müssen wir die Weichen richtig stellen, denn die Kunden warten nicht auf uns – und nach jedem Umbruch sind die Karten neu gemischt, und bisherige Erfolge zählen nicht mehr.

Wir sind die Weiterdenker. Wenn wir das wieder gemeinsam beweisen, haben die besten Voraussetzungen, um nicht nur als Unternehmen erfolgreich zu bleiben, sondern es auch am Standort Deutschland zu sein.

A. Bestandsaufnahme

  • Wir befinden uns im doppelten Wettbewerb: 1. wir konkurrieren mit Wettbewerbern, die ihren Hauptsitz in anderen Ländern haben – und 2. konkurrieren unsere Standorte untereinander.

Was sind die wichtigsten Standortfaktoren? Eine Umfrage unter Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie hat klare Ergebnisse gebracht:

  • Für 74 % aller Unternehmen stehen die Arbeitskosten ganz vorne, gefolgt von Steuern und Abgaben (65,6%), Arbeitszeiten (63%) und Flexibilität des Arbeitsmarktes (z.B. Kündigungsschutz – 61,9%). Erst danach folgen Strom- und Energiekosten.
  • Der größte Wettbewerbsdruck entsteht dabei nach der Beurteilung der Unternehmen durch Arbeitskosten sowie durch Steuern und Abgaben. Der Druck durch die Arbeitskosten wird sich den Unternehmen nach in den kommenden 5 Jahren noch erheblich verschärfen.
  • Das spiegelt sich auch in der Frage an die Firmen wider, wo die Konkurrenten die größten Wettbewerbsvorsteile haben – und wie das in 5 Jahren aussehen wird:

Ist die Sorge berechtigt?

  • Ja: Für die M+E-Industrie ist Deutschland der teuerste Standort nach der Schweiz und Norwegen.

  • Dabei wird nicht entsprechend mehr erwirtschaftet – die gesamtwirtschaftliche Produktivität ist von 2000-2018 nur um 19,6 Prozent gestiegen, die Tariferhöhungen bei M+E im gleichen Zeitraum addieren sich auf 61,3 %.
  • Einer der Gründe für die hohen Kosten pro Stunde ist, dass den hohen Entgelten nur eine kurze Arbeitszeit gegenüber steht: Die tariflichen Arbeitszeiten in der Metall- und Elektro-Industrie in Deutschland liegen schon heute (ohne Auswirkungen des T-Zug!) auf einem internationalen Rekordtief. Mit durchschnittlich 35,4 Wochenstunden arbeiten die Beschäftigten kürzer als ihre Kollegen in allen wichtigen europäischen Wettbewerbern wie Frankreich (35,8 Wochenstunden), dem Vereinigten Königreich (37,0) oder Spanien (38,4), von China, Korea oder den USA ganz zu schweigen.
  • Mit neuen Techniken und neuen Geschäftsmodellen gehen auch neue Wertschöpfungsketten einher. Wir kennen uns mit dem Organisieren entsprechender Netzwerke bestens aus. Wenn wir die Kosten im Griff behalten, können und wollen wir den Standort Deutschland auch in die Produktion von morgen einbeziehen.
  • Dazu gehört auch, dass wir unsere Wertschöpfungsketten in die digitale Welt transferieren und uns über entsprechende B2B-Plattformen vernetzen.

B. Folgerungen

  • Die Arbeitskosten für die Unternehmen schnellen in die Höhe – bis die Grenze kommt, an dem die Standorte in anderen Ländern im Preis-Leistungs-Verhältnis besser sind. Diese Grenze ist bei jedem Unternehmen anders, aber wir wollen, dass für jedes Unternehmen der Standort Deutschland die beste Wahl bleibt.
  • Wir stehen zu unseren Wurzeln und zu diesem Standort. Wir sind stolz auf unsere Mitarbeiter, und wir stehen zu dem guten Miteinander zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung / Gewerkschaft und Arbeitgeberverband. Aber Stolz und Tradition alleine machen niemanden satt. Wir brauchen Kunden, die unsere Produkte kaufen, und wir brauchen genug Kunden, um den inzwischen 4 Millionen Beschäftigten unserer Branche ihr Entgelt zahlen zu können. Außerdem endet unsere Verantwortung nicht an der Grenze. In den Werken außerhalb Deutschlands beschäftigt die M+E-Industrie 1.882.000 Menschen. Auch sie gehören zu unseren Unternehmen.
  • Unsere Kunden kaufen nicht bei uns, weil wir die preiswertesten im Markt sind. Sie kaufen, weil sie bei uns ein ausgezeichnetes Paket aus Service und Produktqualität zu einem angemessenen Preis bekommen. Dabei dürfen wir uns nichts vormachen: unsere Wettbewerber werden immer besser. Der Preis, den wir für unsere Produkte verlangen dürfen, muss konkurrenzfähig sein. Denn: Die Kunden bestimmen, bei welchem Unternehmen sie Waren oder Dienstleistungen einkaufen – mit Blick auf Qualität, Preis und zeitliche Verfügbarkeit.

C. Was tun?

  • Wir können den Wettbewerb über die Produktionskosten nicht gewinnen. Aber das wird die Konkurrenz nicht daran hindern, diesen Wettbewerb aggressiv zu suchen. Wir können nicht alle Parameter beeinflussen. Aber wenn wir langfristig hier bestehen wollen, müssen wir wenigsten bei denen, die wir beeinflussen können, etwas tun.
  • Dabei geht es nicht darum, die Entgelte zu senken. Aber die Schere zwischen Produktivitäts- und Lohnkostenentwicklung muss sich wieder schließen. Wir dürfen nicht mehr verteilen, als wir zusätzlich erwirtschaften.
  • Wenn wir Arbeit haben wollen, müssen wir auch bereit dazu sein, zu arbeiten. Wenn wir die neue Arbeitswelt aufbauen, müssen wir die Arbeit auch erledigen können. Wenn die Kunden ihre Bestellungen erst am St. Nimmerleinstag erhalten, weil bei uns nicht mehr genug gearbeitet wird, dann bestellen sie lieber dort, wo sie das Gewünschte auch wirklich bekommen – selbst, wenn sie lieber bei uns kaufen würden. Wenn niemand da ist, um die Arbeit zu machen, ist irgendwann die Arbeit auch weg.
  • Deshalb müssen wir uns auf neue Arbeitsformen einlassen, sie ausprobieren und sie für uns passend machen – und nicht Idealbilder aufstellen, die die Marktwirtschaft nicht oder nur wenigen bieten kann. Sozusagen: Lieber gemeinsam Arbeit 4.0, statt einsam home ohne office.

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